Freitag, 4. November 2016

Ein Trip nach China - Teil 2

Neuer Tag neues … Ding

Ich hab noch nie ein ernsthaftes Reisetagebuch geschrieben, aber irgendwie geht das hier ein bisschen in die Richtung. 



Heute ist Samstag, also der Tag, an dem nach unserer großen Aktion (der Grund der Reise) die Produktion wieder anläuft. Bisher waren wir beinah alleine, heute sind wieder Leute da. Eigentlich ist zumindest im Bürobereich alles wie bei uns auch. Kleiner Unterschied, es gibt weniger Einzel- sondern hauptsächlich Großraumbüros. Bei den Amis würde man es „Cubicle“ nennen, aber die Zwischenwände sind nicht so hoch. Die Teamleiter sitzen auch auf der Fläche, die unterste Ebene mit eigenen Büros scheinen die Abteilungsleiter zu sein… meine Interpretation, ganz genau steig ich durch die Hierarchieebenen nicht durch.



Lustig finde ich, dass die Damentoiletten in rosa gehalten sind und die Buben in himmelblau Pipi machen. Es gibt bei den Mädels 2 Arten von Toiletten: Normale Sitzklos und diese "Stell deine Füß rechts und links drauf, schaff die Klamotten aus dem Weg, geh in die Hocke und lass laufen"-Dinger. Im Toilettenvorraum hängen 2 kleine Schildchen mit „Motivationssprüchen“ – 2 Sprachig, wie alle Schilder hier im Werk. Über der Eingangstür zum Verwaltungsgebäude hängt übrigens ein LED-Laufband, auf dem auch solche Parolen durchlaufen.


Super Sache: Es gibt hier einen Stillraum oder „nursery room“ laut Türschild. Hier arbeiten viele junge Leute, und einige der Frauen sind in letzter Zeit Mama geworden. In dem Zimmer stehen mehrere, vermutlich ausrangierte oder sonst nicht für die Produktion geeignete, Sprintersitze (hier werden Sprinter und V-Klassen gebaut). Alle haben Armlehnen und man kann um die einzelnen Plätze Vorhänge zuziehen.

In den Fabrikhallen war ich noch nicht, das kommt vielleicht am Montag noch. Bisher weiß ich nur, dass die Arbeitsklamotten himmelblau sind und der Schnitt an Altherrenpyjamas erinnert… so wie man die klassischen chinesischen Arbeitsanzüge halt kennt, kurzärmelig, weils hier sch*** heiß ist. In den Büros ist es ähnlich wie bei uns, die Mädels in Rock/Hose und Bluse (ein Teil der Damen könnte wunderbar bei Modeschauen teilnehmen), bei den Buam geht der Trend zum Polohemd mit Firmenlogo.

Kantine. Lecker. Details? Gern. Anders als letztes Jahr in Peking gibt’s hier keine Blechtabletts mit vorgeformten Schüsseln, sondern normale Tabletts, auf denen die Schüsselchen und Tellerchen zusammengesammelt werden. Kassiert wird nach Tellerfarbe. Es gibt Reis mit verschiedenen Gemüsen/Sprossen und Rind/Schwein/Huhn/Fisch zur Auswahl. Wer mag kann sich noch Gemüse-Tofu Suppe holen. Günstig ist es auch… Weniger als 20 RMB für 2 Leute, also knapp 3 Euro. Man muss halt damit leben, dass das Essen nur lauwarm ist. War in Peking auch so. Es gibt eine Theke mit „western food“, aber wenn ich schon die Chance auf authentisch chinesisches Essen hab, dann nutz ich die auch. Kantine hat nie Gourmet-Standard, aber das muss ja auch nicht, gut wars. Übrigens hing ein Fernseher drin, der irgendein Tennisspiel übertragen hat, und die Motivationssprüche an der Wand gabs auch. Andere diesmal – dabei war auch ein Hinweis, auffälliges Verhalten zu melden.



Wenn man so vor das Firmengelände schaut, dann kommen die Meisten mit dem Elektroroller zur Arbeit. Auf den Dingern (hab ich ja schon mal geschrieben) spielt sich so ziemlich das halbe Leben ab. Gefühlt zumindest. Die Teile scheinen hier das klassische Fahrrad so gut wie abgelöst zu haben. In meinen Augen lustig ist vor allem das Zubehör. Standard sind fest montierte Handschuhe am Roller, das haben die meisten. Die Teile sehen so aus wie die Topflappenhandschuhe, die man bei uns benutzt. Muss wohl beim Fahren auch sein, weils sonst an den Fingern vom Fahrtwind ganz schön frisch werden kann… Normale Motorradhandschuhe oder überhaupt Schutzkleidung hab ich hier noch keine gesehen. Auch Helme sind eher modisches Accessoire, wenn 10% der Fahrer einen Tragen ists viel.



Der nächstgrößere Luxus am Mopped ist dann so eine Art stabile Fleecedecke. Die Topfhandschuhe gehen in eine festere Decke über, die zwischen Lenker und Fahrer bis zu den Fußrasten reicht, um den Fahrtwind abzuhalten. Die gibt’s in den unterschiedlichsten Farben und Mustern, und macht den Straßenverkehr schön bunt. Wenn es regnet, dann haben die meisten so eine Art Regenponcho an, der vorn über den Lenker, an den Seiten bis zu den Fußrasten und hinten bis knapp unter die Sitzbank geht. Vor dem Scheinwerfer ist ein transparentes Teil und das Gesicht ist frei… da passen ca. 4 Paar Füße drunter, wenns sein muss (hab ich gesehen, war aber mit dem Handy zu langsam. Die Roller sind fix). Gebastelt wird an den Dingern natürlich auch! Ich hab einen Roller gesehen, auf dem der Fahrer nicht weniger als 3 Sonnenschirme aufgespannt hat, weils geregnet hat. Draht und Kabelbinder bringen einen hier unheimlich weit.


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