Freitag, 27. Dezember 2013

Geek Crochets #15 - Fensterln mit Loki

Manchmal behauptet man in seiner Jugend Dinge, die einfach nicht immer haltbar sind. So etwas wie "ich werd nie freiwillig Rosenkohl essen" oder "wenn ich groß bin werd ich Millionär". Eine Aussage von mir war, dass ich nieeeeeee im Leben Vorhänge häkeln will. Meine Mama hat das früher gerne und viel gemacht, ich fand die immer toll, aber das dauerte immer so ewig, bis die fertig waren. Geduld ist eine Tugend, aber nicht meine!



Tja... seit meine Wollsucht zugeschlagen hat war es nur eine Frage der Zeit, bis ich NATÜRLICH mit dem sogenannten Filethäkeln anfangen würde. Filet hat übrigens nix mit einem Stück Fleisch zu tun. Das Wort stammt vom französischen Wort für "Netz" ab (Meine Bildung stammt aus Wikipedia).

Auf meiner zweitliebsten Internetseite Tumblr tauchte irgendwann im Crochet-Tag der folgende Beitrag auf und ich war begeistert:

Finished Loki of Asgard Shawl



Nach reiflicher Überlegung hab ich mich dazu entschlossen auch so was zu machen! Mein Küchenfenster war bis dahin noch unverhüllt, das hat mich schon lange gestört. Gesagt getan! Mit dem Segen von ruiaya (das Originalmuster stammt von ihr) hab ich dann aus ihrer Häkelstola ein Vorhangmotiv gebastelt. Dazu hab alles was vor "Loki" und hinter "Asgard" stand abgeschnitten und die Verzierungsschnörkel raus gelassen. Es war eine elende Fisselei aus dem jpg ihres Musters die einzelnen "Pixel" in mein Excel zu übertragen. Das "of" im Original hat mir nicht gefallen und musste auch gehen.

Man sieht in dem Bild, dass man nie die Originalvorlagen aus Heftchen oder sowas nehmen sollte, zumindest wenn man so damit arbeitet wie ich. Immer in der Kopie rummalen!

Für das Garn bin ich dieses Mal meinem Standard-Topflappengarn fremd gegangen.Mit dem Material, das ich sonst für Bärchen und andere Amigurumi nehme, wäre der Vorhang viel zu groß und zu schwer geworden. Für den Vorhand hab ich das perfekte Marvel-Loki grün im Real gefunden. Zu den Zahlen schreib ich am Ende noch was.

Zwischenbild am Ende des zweiten Garnbommels
Natürlich hab ich erst ein paar Reihen zu spät gemerkt, dass in meiner Häkelei ein Fehler drin ist. Wenn man das Bild oben mit dem Papierentwurf vergleicht, dann sieht man, dass mit der rechten Backe was nicht stimmt. Ich hab es dann so gelassen, denn ich konnte mich nicht dazu bringen, die Arbeit von mehreren Stunden wieder aufzudröseln. Mir gefällts auch so.

Spannend.

Beim Filethäkeln ist das Spaß noch nicht vorbei, wenn man die Nadel aus der Hand legt und die Fäden vernäht.  Damit das Werkstück am Ende nicht total schrumpelig ausschaut, wird das ganze gespannt. Ich weiß noch, dass in meiner Kindheit in der Wohnung Bretter rumstanden, auf die mein Papa die Häkeldeckchen meiner Mama genagelt hat. Ja. Genagelt. Wir haben uns an Weihnachten drüber unterhalten.
Ich hab mich für eine nicht ganz so rabiate Lösung entschieden (hauptsächlich mangels Brett): Nachdem der böse Schurke ein Bad genommen hat, durfte er auf einer alten Yogamatte ausspannen und trocknen. Man nehme also eine Yoga- oder Isomatte, 1 altes Frotteehandtuch für den Fall dass das Garn abfärbt, Sprühstärke und mehr Nadeln, als der gemeine Akupunkturtherapeut je gesehen hat. Rostfreie wären von Vorteil. Dann wird die nasse Häkelarbeit Masche für Masche festgesteckt. Ich hab mir die Mühe hauptsächlich am unteren Rand gemacht, damit die gezackte Kante in Form kommt. Das ganze wird dann (zumindest in meinem Fall) über 2 oder 3 Tage immer wieder abwechselnd mit Sprühstärke und Wasser benetzt und trocknen gelassen.

Fertig... war viel Arbeit aber hat sich gelohnt.
Ursprünglich wollte ich die Gardinenstange oben durch die 2. Reihe durchfädeln, dazu war aber die Stange zu dick. Ich habe einfach oben noch eine Reihe Schlingen dazugehäkelt (Garn mit dem Filet verbinden, 5 Luftmaschen, 1 Kettmasche ans übernächste Kästchen usw.). Davon hab ich noch kein Bild gemacht, aber das ist auch nicht so sonderlich spannend. Ganz rechts und links unten stehen 2 "Läppchen" ab... das liegt daran, dass ich mich beim Luftmaschenanschlag verzählt habe. Ich HASSE es die erste Stäbchenreihe in Luftmaschen zu häkeln, also durften der Überstand dranbleiben. Damit es dann aber eher nach gewollt und nicht nach "nicht gekonnt" aussieht, ist auf der anderen Seite das Pendant dazu entstanden. Pscht!

Dämmerungsloki ... ich fühl mich beobachtet.




Zu den Zahlen. Eigentlich sollte man nie im Nachhinein draufschauen, wie viel Zeit man in sein Hobby gesteckt hat... ich habs aber rein aus Neugier trotzdem gemacht. Nebenher hab ich mehrere kürzere und längere Reihen mitgestoppt. Im Schnitt habe ich für eine Reihe 11 Minuten gebraucht. Es sind 135 Reihen, also stecken knapp 25 Stunden reine Häkelzeit drin. Die Übertragung der Vorlage in mein Format hat auch so ca. 2 Stunden gedauert, das Spannen ging nebenher. Am längsten gedauert hat da die Nadelpiekserei... ca 45 Minuten. Alles in allem zwischen 28 und 29 Stunden, schmerzende Hände und Flucherei gegen Ende, wenn man das dämliche Teil einfach mal Fertig haben will, inklusive.

Lokischein :)
Materialverbrauch: Zweieinhalb Bommel Häkelgarn (Uschi Wolle - Filigran Baumwolle Solid in grün). Jedes Knäuel hat laut Banderole 530 Meter drauf, also stecken in dem einen Vorhängle ungefähr 1,3 Kilometer Faden.
Reine Materialkosten 3x 3,50 = 10,50 Euro für das Garn (da man keine Halben kaufen kann).

Danke nochmal an Ruiaya für die Inspiration, die Vorlage und die netten Worte :)

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