Mittwoch, 14. August 2013

Nerdvana #7 - Ein Tag am Filmset



Gestern an der Isar. Man könnte sich auf eine Decke setzen und ein Bier trinken. Man könnte sich in Wathosen in die Strömung stellen und erfolglos Würmer baden. Man könnte sich auf die Brücke stellen und glotzen. Alles gesehen. Alles langweilig.

Ich durfte gestern einen Schritt in eine ganz andere Welt machen: Ich war das erste Mal an einem Filmset. Für die Verfilmung von "Mara und derFeuerbringer" aus der Feder von Tommy Krappweis durfte ich als Komparse einen Tag lang in München vor der Kamera stehen. Wobei vor der Kamera immer relativ ist, Komparsen stehen eher selten, und "vor der Kamera" ist auch eher zu interpretieren als "irgendwo im entfernteren Dunstkreis der Linse".

Das mit der anderen Welt ist übrigens durchaus ernst gemeint. Ich bin Bürotier. Meine Welt sind 2 laufende Meter Schreibtisch, 10 Computermonitore, ein Telefon und eine Kaffeemaschine (der wichtigste "Server" in jedem Rechenzentrum). Ich arbeite mit maximal 9 Leuten auf einmal zusammen und wir haben eine Klimaanlage. Dann kommt man nach München, der Dreh ist draußen (Frischluft ist Feind des IT-lers) und es wuseln dutzende Leute rum.

geklaut von der offiziellen Facebookseite des Films. Folgt dem Link (also nach dem Lesen...)




Aber von vorne.

Die liebe 2. Regieassistentin Sina hatte die 17 Komparsen des Tages für 10:15 nach München bestellt. Der Verkehr lief auf der Autobahn problemlos, aber kaum an den Ortsschildern vorbei gab es haufenweise Baustellen und Umleitungen, ein Hoch aufs Navi! München liegt grob zweieinhalb Stunden mit dem Auto entfernt und dank großzügigem "Staubonus" war ich trotz der bayrischen Bauwut rechtzeitig (und nicht ganz so extrem zu früh) in Bayerns Hauptstadt. Das Auto hab ich auf dem Mariahilfplatz abgeworfen und dann mein Rollköfferchen die 400 Meter zur Drehbasis gezogen. Den Mariahilfplatz erwähne ich nur, weil ich immer noch nicht ganz glauben kann, dass man mitten in München, immerhin Landeshauptstadt von Bayern, um 6 Euro einen ganzen Tag parken kann. 6 Euro! Das zahlt man in Stuttgart in etwa für einmal halten und beim Bäcker Weckle kaufen (Waren exklusiv) - den Platz merk ich mir!

Kaum zu glauben... und ja, Euro, nicht DM ;)

Vor Ort angekommen wurden die Komparsen (eine supernette Gruppe aus "Facebookrekruten" und Agenturprofis) von Sina in Empfang genommen und erst mal mit Häppchen und Schnittchen versorgt. Dann gings ans mitgebrachte: Jeder sollte mehrere Wechseloutfits mitbringen, da mehrere Szenen gedreht wurden und man uns mehrfach einsetzen wollte. Zusammen mit der Kostümfrau wurden dann die Sachen rausgesucht und bereitgelegt für später. Sorry für das "Kostümfrau", mein Namensgedächtnis ist unterirdisch. Mir ist das peinlich, weil die meisten am Set damit überhaupt keine Probleme haben.

Als wir dann alle präsentabel waren gings los. Sina und ihre Kollegin brachten uns zum ersten Drehort ans Isarufer. Ganz grobes Thema: Mara (Lilian Prent) und der Professor (Jan-Josef Liefers) laufen ein paar Meter und reden, also der Professor erklärt ausladend, Mara hört zu und findet es schon so ein bisschen peinlich. Wir Komparsen sollten im (mehr oder weniger) Hintergrund Spaziergänger und Passanten machen. Es war total interessant wie viel Arbeit in ca. 30 Sekunden Film stecken. Allein die Szene hat ca. 3 Stunden gedauert! Ein paar Mal geprobt, ein paar Mal gedreht, dann aus anderen Blickwinkeln nochmal gedreht und so weiter. In der Szene bin ich auch definitiv zu sehen, das kann man gar nicht so schneiden, dass ich nicht drin bin.

Umziehen! Dann gings ein paar Meter weiter direkt an die Isar, die Hauptdarsteller sitzen am Ufer und bereden wieder Sachen, ich will ja nix von der Story verraten. Dieses Mal war ich nicht direkt dabei sondern konnte aus ein paar Metern Entfernung einfach den anderen zuschauen. Es ist gar nicht so einfach Leuten Anweisungen zu geben, die weiter weg sind. Wie Sina und ihre Kollegin das durchhalten ohne jeden Tag heiser zu sein ist erstaunlich… und es wäre interessant, wie viel Paar Schuhe sie pro Produktion durchläuft.

Bei der Szene musste ich mir mittendrin das Lachen verkneifen: Ein Radfahrer, Typ älterer Herr, kam angeradelt. Die Ecke des Isarufers war aber für die Dreharbeiten gesperrt und er durfte nicht weiter. Anstatt sich halt zu ärgern und umzudrehen hat er lauthals angefangen zu schimpfen (was unter einer Brücke eine Mörderakustik gab): „Können die ihren sch*** Film nicht in nem verf*** Studio drehn“ (Zitatauszug aus seiner mehrsekündigen Tirade). Ich frag mich nur, wo er weiterfahren wollte... nach "uns" hörte das Ufer auf und die Isar begann... ich muss nicht jedes Gewächs dieser Erde verstehen.

Nächste Einstellung: Da war ich als ankommender Picknicker eingeteilt. Die Szene ging etwas schneller von statten. Hier bin ich weiter im Hintergrund und ich hab gar nicht mitbekommen um was es eigentlich ging. Egal, ich werds ja dann im Kino sehn. Immer wenn der Mann mit der "Tonangel" sein Wuschelmikro einzog war Schluss und es ging für den nächsten Take auf die Anfangsposition. Über den Tag verteilt kommen da schon ein paar Meter Fußweg zusammen.

Mittagspause, eine halbe Stunde Essen und wieder umziehen. Das Essen war lecker! Ein paar der Komparsen waren über eine Komparsenvermittlungsagentur da, nicht wie ich über "Facebook und der Marabringer". Die sind öfter bei Sachen wie K11 oder irgendwelchen Seifenopern im Einsatz. Das Essen für alle ist anscheinend nicht immer so. Insgesamt waren wir an dem Tag 17 Komparsen, eine schöne Zahl, (weiß ich zwar nicht, aber ich könnt es mir vorstellen) nicht so hektisch wie bei den großen Massenszenen, die noch kommen. Regisseur Tommy Krappweis hatte auch mal Zeit für ein kleines Schwätzchen mit uns, auch das ist wohl eher eine Ausnahme beim Filmen.

Wieder im Dienst: In der nächsten Einstellung redeten nur die Hauptdarsteller. Kompliment auch an die Maske! Der falsche Bart des Weissinger sieht nicht falsch aus, und dass Lilian eine Perücke auf hat hab ich erst gemerkt, als sie ganz am Abend auf ein Mal kürzerhaarig und blonder war.

Bei der letzten Szene des Tages waren wir wieder am gleichen Ort, aber viel später in der Geschichte. Die Hauptdarsteller hatten jetzt die ähm... wie soll ichs schreiben... Lindwurm-Used Versionen ihrer Klamotten an. In der Szene bin ich als Spaziergängerin am Ufer unterwegs. Für mich war das die interessanteste Einstellung. Mein „Loslaufpunkt“ war direkt zwischen Kameras und Regisseur, den ganzen Profis bei den Absprachen ein bisschen zuzuschauen war wirklich toll. Allerdings hatte ich immer das Gefühl im Weg zu stehn.

Irgendwie hat die Uhr dann darauf bestanden, dass schon halb 9 Uhr abends ist, und wir waren fertig. Der Tag ging wirklich verdammt schnell rum. Auch wenn viel davon einfach aus Warten bestanden hat, es hat sich gelohnt. Nicht wegen den 60 Euro Komparsengeld, sondern einfach wegen dem Blick hinter die Kulissen. Da wuseln Leute rum, das merkt man sonst gar nicht. Es waren bestimmt um die 30-40 Leute (ohne Schauspieler/Komparsen) am Set. Jetzt weiß ich, warum der Abspann immer so lange ist.

Auch lustig (so als halb-Außenstehende): SONNE, schnell drehen. Wolke, blöd, geh weg.... aber da kommt gleich wieder SONNE, schnell auf Position. Glockengebimmel während der Sonne, MIST. Muss da jetzt der Krankenwagen durch die Sonnenphase durchhupen...

Ich möchte mich auch hier nochmal ganz ganz herzlich bei Tommy Krappweis, Sophia, Sina, Sinas Kollegin, der Kostümfrau und dem 1. AD bedanken. Danke, dass ich dabei sein durfte. Danke, dass ihr grad auch mit den "Anfängerkomparsen" so eine große Geduld hattet, ich musste mir nur bei jedem "Komparsen, bitte" ein "Komparsen, DANKE" verkneifen. Es war nicht halb so hektisch wie ich es mir ausgemalt hatte. Danke an alle, die  "Schärfen nehmen", "Töne angeln", "Klappen klappern" und Komparsen hin und her schieben. Ich bin auf das Ergebnis mehr als gespannt!

Ich wünsch euch ganz viel Spaß an den restlichen Drehtagen, nette Komparsen, starke Nerven bei der Postproduktion, viel Kraft, wenns darum geht aus dem 4 Stunden Rohschnitt 2 Stunden Film zu machen ("aberaberaber Lieblingsszene schneiden???") und natürlich ganz ganz viel Erfolg mit dem Ergebnis. Natürlich aus reinem Egoismus... ich wär gern bei Mara 2 wieder dabei.

Auf dem Foto oben, das ich von der Facebookseite des Films geklaut habe, sind alle Komparsen des Tages drauf. Links unten der Mann im braunen Hemd mit Bart ist Professor Weissinger himself: Jan-Josef Liefers. Die junge Dame schräg davor ist die einzig wahre Mara: Lilian Prent. Der Typ mit dem Hut ist Tommy Krappweis (braucht ja eigentlich keine Erklärung, aber hey...) Ich steh in der hinteren Reihe, die 2. von Links. 

Andere Bilder gibt’s nicht, ich hatte genug anderes zu tun als mit dem Handy rumzufuchteln ;-)

Wer mehr sehen will kann sich die "Fast Live vom Set"-Videos auf Youtube anschauen oder mal auf der Facebookseite vorbeischauen. Wer wissen will worum es eigentlich im Film geht, der darf gerne mal hier hin surfen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen