Sonntag, 4. August 2013

Nerdvana #6 - Festspiele Bregenz "Kultur, bitches!"



Dieses Jahr steht irgendwie unter dem Motto "Kultur und Conventions" bei mir. Nach bisher 4 Conventions (HobbitCon, FedCon, BloodyCon und die Celebration Europe... vielleicht hab ich irgendwann den Nerv dazu noch was zu schreiben) kam jetzt die 2. Oper (Nach einer Volksvorführung des "Tannhäuser" im Opernhaus in Zürich). Die Bregenzer Festspiele haben in diesem Jahr Mozarts Zauberflöte auf der Seebühne inszeniert.




Busfahrt

Ich muss gestehen, ich bin mittlerweile so ein bisschen Fan von Bustouren, solange sie nicht zu lange sind. Ich war mit meiner Mutter schon in Zürich mit einer Busreisegruppe unterwegs, und auch diesmal war die Bregenztour eine organisierte "Leserreise" der Zeitung, bei der meine Mom arbeitet. Das Schöne daran ist schlicht, dass man sich um nichts kümmern muss. Rechtzeitig zu den Abfahrtszeiten am Bus sein und um den Rest (Fahrt, Eintrittskarten, Parkplatzssuche) kümmert sich jemand anders für die Teilnehmer. Die Fahrt hat pro Nase 119 Euro gekostet, davon sind aber alleine 95 Euro für die Karte. In den 24 Euro mehr waren Bus, Begrüßungstrunk (reichlich) und eine Backstageführung mit drin. Um das Geld hätten wir 3 Personen wahrscheinlich nicht mal den Sprit bekommen, geschweige denn den Rest. Und man kann unterwegs was Trinken ohne sich sorgen um die Fahrtüchtigkeit zu machen.

Drei Drachenhunde um die Schildkröte... tolles Bühnenbild


Ankunft

Wir sind um 13 Uhr losgefahren und kamen gegen 4 in Bregenz an. Im Doppelstockbus ganz vorne war die Fahrt über die Schwäbische Alb und am Bodensee entlang schon ein Highlight für sich! In Bregenz hatten wir dann erst mal eine knappe Stunde Zeit bis die Führung losging. Es war über 35 °C warm an dem Tag, also stand uns der Sinn erst mal nach was Flüssigem. Wer auch immer als erstes auf die Idee kam, eine Kugel Vanilleeis in kalten Kaffee zu werfen und ein Sahnehäubchen drauf zu machen, der wird auf immer mein Held sein! Ich werde allerdings eins nie verstehen: Warum reservieren Gaststätten schon 3 Stunden im Voraus ihre Tische? Es waren massenweise Leute auf der Uferpromenade unterwegs aber die Terrasse war leer. Man hat von der Uferpromenade nur Reserviertschildchen auf den Tischen gesehen, und ich hab mehrere potenzielle Besucher maulen hören. Es hat mich auch einiges an Überzeugungsarbeit gekostet a) meine Eltern zu überzeugen, wenigstens mal die Bedienung zu fragen und b) musst ich der Kellnerin dann hoch und heilig versprechen, dass wir auch nach 30 Minuten wieder weg sind... Der Tisch war für eineinhalb Stunden später reserviert. Liebe Gastronomen, wenn ihr kein Geld verdienen wollt, dann lasst es. Aber in der Hauptkaffeetrinkzeit Tische leer zu lassen nur weil (manchen  Schildchen nach) ganze 2 bis zweieinhalb Stunden später jemand zum Essen kommt, das ist doch schädlich fürs eigene Geschäft. Ich musste die Bedienung beinah ANBETTELN um nen Tisch zu bekommen, und das hätte ich nicht gemacht, wenn es nur 2 Grad kühler gewesen wäre. Aber wir wollten was trinken und das war wichtiger als das Selbstwertgefühl. Der Eiskaffee war allerdings ein wirkliches Träumchen, der wars wert.

Wenn ich den See seh brauch ich kein Meer mehr


Führung

Hinter die Kulissen kucken? Aber ja gerne doch! Die Organisation unseres Trips hat für uns eine organisiert und so ging es in Grüppchen von ca 20 Leuten ein Mal quer übers Gelände. Vanessa, unsere sehr nette Führerin, hat viel zu den Festspielen, dem Stück und der Geschichte zu erzählen gewusst. Als ich die Bühne das erste Mal gesehen habe musst ich grinsen: Ist das jetzt Tabaluga oder die Zauberflöte. Aber der Bühnendesigner/bauer hat viel mit Symbolik gearbeitet, die ohne die Führung völlig  an mir vorbeigegangen wäre. Es war ein heiteres von-Schattenplätzchen-zu-Schattenplätzchen-hüpfen, aber es hat sowohl vor als auch hinter der Bühne wirklich Spaß gemacht und die knappe Stunde war schnell vorbei. Ein bisschen gewundert hat mich, dass die Dreharbeiten zu James Bond (in Casino Royal spielte die damalige Inszenierung von "Tosca" eine Rolle) nie erwähnt wurden, ich wollt aber auch nicht fragen.
Nach der Führung gings an den schönsten Platz im Umkreis: Die Bar! Die Reiseleitung hat für die Gruppe an der Bar Sekt, Wasser, Cola, und Säfte ausgegeben, und die Gruppe hat ein bisschen an Verdurstende in der Wüste erinnert. Selten war ein Glas kaltes Wasser schöner als an dem Tag.

Drachenhund von hinten während der Führung


Essen

Nach der Führung und dem Umtrunk war es in etwa 18 Uhr, 3 Stunden noch bis zum (nicht vorhandenen) Vorhang.  Bregenz ist ein wirklich schönes Städtchen also ab ins Gewühl. Eigentlich wollten wir ein bisschen Bummeln gehn, aber wir haben nicht bedacht, dass die Geschäfte um halb 7 schon alle dicht machen. Also kleine Planänderung, Essen hat noch keinem geschadet. Das erstbeste Restaurant, in dem nicht sämtliche Tische reserviert waren und wo man draußen sitzen konnte war unseres! Mein Paps war nicht so begeistert als er "City Thai" gelesen hat, Muttern und ich dafür umso mehr. Er hat sich das "Verlegenheitsschnitzel" bestellt, Asiatisch ist nicht so wirklich seine Welt. Mein Curry war extrem lecker!

Mein Platz war 6 Plätze links knapp unterhalb des oberen "Lochs" in der Mitte


Vorstellung

Halb neun, Theatereingang A, Gewusel wie auf nem Basar. Auf der Seebühne sieht man im Publikum wirklich alles: Abendkleid und Anzug, schickere "Büroklamotten" bis zu ganz bequemen Jeans und T-Shirts. Ich würde mich nicht in den teuersten Klamotten in ein Open-Air Theater setzen, wo es jeden Moment anfangen kann zu regnen und das Paillettenkleid unter einer kuscheligen Wolldecke verstecken, sollte man einen kälteren Termin erwischen, ist auch nicht im Sinne des Erfinders.
Schon allein von den Plätzen aus den Sonnenuntergang hinter dem Bühnenbild zu sehen war toll, die Vorstellung selbst hat alles übertroffen was ich mir vorgestellt habe. Die Musik, die Sänger, die Inszenierung, die unter anderem 3 1/2 Meter hohe Kostüme und 20 Stuntmen/Akrobaten allabendlich auf die Bühne bringt... super. Wer denkt, dass bei einer Oper nur dicke Sänger statisch ihre Arien trällern, muss mal auf die Seebühne.

Alle Opern, die ich bisher gesehen habe, hatten Untertitel. Oft läuft da einfach die Übersetzung der Oper in die jeweilige Landessprache mit (in Prag lief die italienische La Traviata mit tschechischen Untertiteln *g*), aber wenn das schon mal steht, dann darf auch der deutsche Text einer deutschsprachigen Oper mitlaufen. und wenn die HM HM HM singen, dann steht da auch HM HM HM.
Fundort des Bilds


Die Vorstellung beginnt mit der Entführung Paminas, das wird nicht in jeder Inszenierung gezeigt sondern als bekannt vorausgesetzt, geht dann weiter mit der Rettung Taminos vor der Schlange (die Schlange ist in dem Fall der Schildkrötenkopf) und so bild- und stimmgewaltig geht es auch weiter. Die Szenen unterwegs spielen in einem riesigen Wald aus aufblasbaren Grashalmen und die Szenen bei Sarastro und der Königin auf einer goldenen Kuppel. Eines meiner Lieblingsbilder war die Arie der Königin der Nacht auf einem Podest und in einem "Kleid aus Licht". Zum Einsatz kommen neben den großen Vogelfiguren der 3 Damen auch geniale Kostüme für die 3 Knaben. Diese Figuren werden von bis zu drei Puppenspielern bedient, die Sänger/innen dieser Charaktere singen ihre Parts im Saal wo auch das Orchester sitzt. Die Stuntleute seilen sich immer wieder von den Brücken und Drachenhunden ab, hängen an Seilen dazwischen in der Luft, tauchen ab... die Akrobaten machen auf der Halbkugelbühne Dinge, die ich mir nicht mal auf Ebenem Boden vorstellen kann... in manchen Szenen ist so viel geboten, dass man gar nicht weiß wo hin schauen. Well played, Inszenator! Ich verstehe umso besser, warum sämtliche Vorstellungen dieses Jahr restlos ausverkauft sind!
Wobei man eins auch anmerken muss: Die Zauberflöte ist aus heutiger Sicht aber sowas von gar nicht mehr politisch korrekt, Mozart würde heute damit nicht mehr durchkommen. 1791 war es wahrscheinlich kein Problem, den bösen Lüstling zum "Mohr" zu machen (in der Bregenzer Inszenierung ist das Kostüm anatomisch schon... lustig. Garderobenhaken inklusiv) und die Frauen mehr oder weniger nur als Anhängsel zu sehen, die ohne Kerl nicht so wirklich etwas wert sind. („Ein Weib tut wenig, plaudert viel", "ein Mann muss eure Herzen leiten, denn ohne ihn pflegt jedes Weib aus ihrem Wirkungskreis zu schreiten" etc.) Gottseidank haben die Zeiten sich geändert! Die Musik bleibt trotzdem wunderschön, über Inhalte kann man in dem Fall wirklich hinwegschmunzeln. 

Ich selber habe wenig fotografiert (bei der Vorstellung selbst hatte ich genug damit zu tun, mein Kinn nicht auf dem Boden aufschlagen zu lassen...), aber hier hab ich ein paar nette Schnappschüsse auf Tumblr gefunden: Zauberhafte Zauberflötenbilder

Heimfahrt

Nach ca. 3 Stunden (in Bregenz wird ohne Pause gespielt) ging es dann im Bus wieder nach Hause. Bis ich dann wieder ganz zu Hause angekommen bin war es ca. halb 4 Uhr morgens. Ein langer, aber toller Tag! In 2 Jahren, wenn die nächste Inszenierung ansteht, bin ich wieder in Bregenz mit dabei.

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